“Eine Traumröhre mit Traumklang”
Roland Kraft über die Triodenendstufe Satie S MK2
„So, jetzt schweben wir im siebten Röhrenhimmel“, beginnt Roland Kraft.
„Okay: Dieser Verstärker zählt in praktisch jeder Hinsicht zur Bolidenklasse. Consequence Audio, das bedeutet quasi keine regelrechte Kalkulation. No Sir: Bei den wirklich schönen Dingen des Lebens kommt am Schluss halt ein Preis raus, und damit basta, aus, Punkt.
Der Mann, der sich diese alles andere als umsatzträchtige Suche nach dem besseren (Röhren-) Klang leistet, heißt Reinhard Gundlach. Und er vertritt den Triodenverstärker, genauer gesagt, den Eintakter, dessen Musikalität er schlicht legendär nennt (Wasser auf meine Mühlen!). Ebenfalls legendär dürfte der hinter einer Satie S stehende Herstellungsaufwand sein: Gute 200 Stunden Arbeit sind nötig, um den gewaltigen Stereo-Eintakter mit seinem externen Netzteil aufzubauen. Die Basis der Satie ist eine unter Röhren-Freaks bekannte Triode namens 211 oder auch VT4C; ein im Betrieb hell leuchtendes Riesending, in dem genug Power steckt, um auch 88-Dezibel-Standard- Lautsprecher antreiben zu können“.
Nach fachmännischem Exkurs zur Historie der 211/VT4C wendet er sich der technischen Würdigung zu, wobei er sich nicht nur von der Konstruktion des Netzteils beeindruckt zeigt:
„Wie weit der Aufwand bei der Satie geht, demonstriert bereits das Netzteil: Mit Hilfe von fünf Sekundärwicklungen werden die nötigen Spannungen erzeugt, wobei alle Röhren ausschließlich mit Gleichspannungsheizung versorgt werden".
Überrascht zeigt sich Kraft, nachdem er einen ersten Höreindruck gewonnen hat:
„Die bisher eher in der bulligen Holfäller-Ecke eingeordnete 211 läuft in Gundlachs Design sanft, subtil und unglaublich charmant.“
Als bekennender Anhänger der Kulttriode WE 300 B gesteht er:
„In Bezug auf klangliche Fähigkeiten steht Gundlachs Design einer sehr guten 300B in nichts nach, bietet aber erfreulicherweise rund dreifache Leistung und damit einhergehend eine gehörige Portion Souveränität. Im Gegensatz zur eher brutalvoluminösen Bass-Performance bisher gehörter, meist amerikanischer 211- und 845-Eintaktern positioniert sich die Satie auf der präzisschlanken Seite, aber ohne ihre Reserven zu verleugnen. Nicht minder gut gelang die tonale Abstimmung: Alles andere als schönfärberisch, dennoch ohne Schärfen restlos überzeugend natürlich. Trotz der Tatsache, dass dieser Verstärker ohne Einschränkungen auch mit üblichen Lautsprechern läuft, empfehle ich dennoch die Kombination mit eher “lauten” Schallwandlern - die Triode dankt es mit unerhörter Leichtfüßigkeit sowie einem Maß an Spielfreude, welches für transistorgewohnte Ohren wohl neu sein dürfte".
Kraft resümiert:
„Hut ab, und ein dickes, dickes Kompliment, denn ohne große Umschweife gesellt sich die Satie in den Kreis meiner nunmehr vier oder fünf persönlichen (Endstufen-) Favoriten. Eine Traumröhre mit Traumklang( …) ".
(Image Hifi 1/2001) |