Satie HP MK III

 

„Feingeist und Präzision“

Roland Kraft über den Triodenvollverstärker Satie HP
(Image Hifi 6/2002)

Zu Beginn seiner Besprechung ruft Kraft die Endstufe Satie S MK in Erinnerung:

“Ein Röhrentraum in Gold und Wurzelholzfurnier, mit getrenntem Netzteil, freundlichen 2 x 20 Eintakt-Watt und nicht weniger als traumhaftem Klang. Dieses Superding wurde ohne Rücksicht auf Kalkulation, Kaufkraft, Umsatz, Globalisierung oder ähnlichen Firlefanz entworfen“.

Sogleich zieht er klangliche Parallelen:

„In Bezug auf den Klang ist die enge Verwandtschaft zwischen der damals getesteten Endstufe und dem neuen Vollverstärker unüberhörbar. Der positioniert sich nämlich ebenfalls auf scheinbar unnachahmliche Art auf der schlanken, präzisen Seite, bringt aber dennoch genug Wärme auf,
um nicht über eine imaginäre Kante zu kippen. Trotz des präzisen, luftigen …. Klanges wirkt der Verstärker aber auch wuchtig und kraftvoll (…)

Im Gegensatz zu anderen Hochleistungstrioden liege der Klang des Satie HP „auf der mehr raffinierten, am Detail orientierten Seite“, bestäche durch „Klangfarbenreichtum“ und vermöge „jeden Ton fein zu modellieren“.

Und:
„Nicht minder gut gelingt es der Satie, sich mit höchster Präzision durch feinste Lautstärkevariationen zuarbeiten, wobei man dem Verstärker frohgemut bescheinigen darf,
in Bezug auf Leichtfüßigkeit mit den feinsten 300B-Triodenkonzepten gleichzuziehen.
Schon erstaunlich, welche Erziehung der 211er hier zuteil wurde (.…)“.

Hinzu komme „ eine ungemein großzügige Raumdarstellung, die etwas präsenter nach vorne verlegt ist, anstatt nebulös weit hinter die Lautsprecherebene zu rutschen.
 Klangkörper ertönten „ so plastischer und glaubhafter (…), der scharfkantig hingestellte Ton entsteht schier greifbar mitten auf einer auch in der Höhe realistischen Bühne“.
Offensichtlich beeindruckt wendet sich Kraft noch einmal der „Ehrfurcht gebietend genauen Tieftonreproduktion zu, „die auf positive Weise nicht ganz den Erwartungen des Röhrenfans entspricht.“
Der Baß sei stets „vorbildlich konturiert“, gleiche aber keineswegs dem „im Röhrenlager ungeliebten Synth-Bass emotionsloser Transistoren, sondern koppelt nun Feingeist an Präzision, eine Kombination, die beileibe nicht an allen Eintaktern zu diagnostizieren ist.
Im anderen Extrem, nämlich ganz „oben“, läuft der schwere Röhrenamp frei und scheinbar unbeeinträchtigt von den Hemmnissen der Übertragerinduktivität  aus, er tut dies mit feinster Auflösung zahlreicher Hochtonfacetten, ohne jedoch ins Kristalline abzugleiten. Ist dagegen diamantene Schärfe gefordert, entsteht ebenfalls kein hörbares Problem, weil das Seziermesser im Futteral bleibt und trotzdem ein Maß an Mikroinformation freigeschaufelt wird, das für Röhren-Eintakter als exemplarisch bezeichnet werden darf.“

Kraft schließt:
„So darf man die 20 bärenstarken Trioden-Watt der 211 doch subjektiv betrachtet mit dem Faktor drei multiplizieren und deshalb ohne großes Federlesen sogar 88-Dezibel-Lautsprecher anschließen. Trotzdem profitiert natürlich auch dieser Vollverstärker von mehr Wirkungsgrad, was sich letztlich in Ehrfurcht gebietender Dynamik manifestiert( ….)

Ein in jeder Beziehung perfekter Trioden-Vollverstärker (…)

Wieder ein dickes Kompliment für Reinhard Gundlach.“

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